Zeitarbeit - zwischen Chance und Ausbeutung

Zeitarbeit Vorteile und Nachteile - Bericht: Branche im Aufschwung und Pläne der Zukunft, Kollektivvertrag für Zeitarbeitskräfte, illegale Klauseln in Arbeitsverträgen - Geborgte Arbeit, der Arbeiter auf Zeit, Schwarze Schafe, Vorsicht vor einvernehmlichen Auflösungen - Bedeutung und Begriffe, Vorurteile - Glück Auf! im Gewerkschaftsmagazin

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Einige Anfragen, zur Antwort! Hier gibt es das auch was in den AK und Gewerkschaftsseiten steht - Ja das kam aber erst nach meinen Info Seiten, vorher war nichts, zumindest im Google war nichts, diese Zeitarbeit Plattform hat 60.000 Besucher im Jahr stark steigend, und außerdem eine unabhängige Sichtweise da wir selber 15 Jahre Leiharbeiter waren, und wir haben ein Forum, unser Ziel ist eine Art Schwarzbuch, damit die Arbeiter selber entscheiden können ob sie bei einer dieser Firmen überhaupt anfangen

Wir haben nun die Glück Auf Zeitung abgeschrieben: Informationen aus diesem Magazin immer aktuell!


Glück Auf! - Zeitarbeit im Gewerkschaftsmagazin

Letzte Aktualisierung: 15. Mai 2010

Thomas Grammelhofer ist in der PRO-GE für den Bereich der Arbeitskräfteüberlassung zuständig

Zeitarbeiter, Leiharbeiter, Arbeitskräfteüberlassung

Glück auf!: Zeitarbeiter In, Leiharbeiter In, Arbeitskräfteüberlassung – die Begriffe werden oft verwendet – was bedeuten sie, und wo liegen die Unterschiede?

Grammelhofer: Unterschiede gibt es in Wirklichkeit keine. Alle Begriffe meinen Arbeitskräfte, die von einer Zeitarbeitsfirma an einen Betrieb für eine bestimmte Zeit überlassen werden. Seit einigen Jahren gibt es in Österreich die Tendenz, den negativ behafteten Begriff „Leiharbeit“ nicht mehr zu verwenden, weil Beschäftigte an sich ja nicht „verliehen“ werden können. Der Begriff „Leiharbeit“ ist weiterhin üblich und insbesondere dann berechtigt, wenn das Gesetz und der Kollektivvertrag nicht eingehalten werden. Im Ausland gibt es nur die Bezeichnung „Leiharbeit“. Arbeitskräfteüberlassung ist der Fachbegriff für die Branche und stammt aus dem sogenannten Arbeitskräfteüberlassungsgesetz

Branche im Aufschwung

Glück auf!: Nach der Krise erlebt die Branche wieder einen Aufschwung. Wo liegen die Vorteile für Betriebe, die Zeitarbeiter-Innen beschäftigen?

Grammelhofer: Der Vorteil liegt oftmals im Nachteil der Beschäftigten. Ist die Auftragslage schlecht, werden die Beschäftigten in die Zeitarbeitsfirma zurückgeschickt. Dort wird das Dienstverhältnis oft mittels einvernehmlicher Auflösung beendet. Damit werden die Kündigungsbedingungen, die sich aus den jeweiligen Kollektivverträgen ergeben würden, einfach ausgeschaltet. Bei Krankheit wird oft das gleiche Spiel gespielt. Es gibt immer wieder schwarze Schafe, die Beschäftigte während des Krankenstandes von der Krankenversicherung abmelden. Alle Zeitarbeitskräfte sollten im Krankheitsfall prüfen, ob sie bei der Krankenkasse noch angemeldet sind. Generell ist die Tendenz erkennbar, dass das Unternehmerrisiko immer mehr auf die Beschäftigten abgewälzt wird

Branche in der Zukunft

Glück auf!: Kann man bereits abschätzen, wie sich die Branche in Zukunft entwickeln wird?

Grammelhofer: Ja, in einigen Betrieben zeichnet sich bereits ein Trend ab: Sehr viele Stammarbeitsplätze, die aufgrund der Krise abgebaut wurden, werden nur noch über Zeitarbeitskräfte nachbesetzt. Man kann also davon ausgehen, dass die Branche insgesamt stärker anwachsen wird als vor der Krise. In Betrieben kann aber durch eine Betriebsvereinbarung unter anderem die Anzahl der Zeitarbeiterinnen und Zeitarbeiter begrenzt werden. Diese Betriebsvereinbarung ist erzwingbar – stimmt der Arbeitgeber nicht zu, entscheidet das Gericht

Kollektivvertrag für Zeitarbeitskräfte

Glück auf!: Die PRO-GE konnte bereits 2002 einen Kollektivvertrag für Zeitarbeitskräfte erreichen. Österreich ist damit Vorreiter in Europa. Wie sieht die Entwicklung in anderen Ländern aus?

Grammelhofer: Es gibt eine EU-Richtlinie zur Zeitarbeit, die bis Dezember 2011 durch die jeweilige nationale Gesetzgebung der Mitgliedsstaaten umgesetzt werden muss. Hier kann man hoffen, dass die Zeitarbeiterinnen und Zeitarbeiter von der Umsetzung profitieren, und es bessere Regelungen in der Branche geben wird. Die Schwierigkeit liegt darin, dass es in den Ländern Europas in vielen Bereichen unterschiedliche Regelungen und keine Kollektivverträge gibt. Eine einheitliche Lösung und Umsetzung wird deshalb eher schwierig werden

Illegalen Klauseln in Arbeitsverträgen

Glück auf!: Manchmal hört man von illegalen Klauseln in Arbeitsverträgen. Was sollten ZeitarbeiterInnen bei Vertragsunterzeichnung unbedingt beachten?

Grammelhofer: Grundsätzlich gilt, den Arbeitsvertrag von der Gewerkschaft überprüfen zu lassen, wenn man sich nicht sicher ist. Denn hat man erst seine Unterschrift geleistet sind viele ungünstige Bestimmungen im Vertrag auch rechtsgültig. Wichtig ist, richtig eingestuft zu werden: Viele Beschäftigte werden zu gering entlohnt, weil sie in der falschen Lohngruppe sind. 

Manche Zeitarbeitsfirmen verlangen von den Beschäftigten bereits bei Abschluss des Arbeitsvertrages, blanko die einvernehmliche Auflösung zu unterschreiben. Davon ist unbedingt abzuraten, weil damit jeder Anspruch auf Kündigungsleistungen, die sich aus dem Kollektivvertrag ergeben würden, erlischt. Wenn jedoch der Druck zu unterschreiben so groß ist, rate ich unbedingt, möglichst viele Beweise zu sichern, zum Beispiel Kopien von den Verträgen und Abmachungen

Zudem ist nicht erlaubt, den Arbeitskräften die Schutzausrüstung für die Arbeit – zum Beispiel Helm, spezielle Arbeitsschuhe usw. – in Rechnung zu stellen. Firmen, die solche Methoden anwenden, haben einen unfairen
Wettbewerbsvorteil gegenüber Firmen, die mit Zeitarbeiterinnen und Zeitarbeitern korrekt umgehen. Aus diesem Grund sollten nicht korrekte Arbeitsverträge unbedingt gemeldet werden

An wen können sich Zeitarbeiter Innen wenden

Glück auf!: An wen können sich Zeitarbeiter Innen wenden, wenn sie nicht korrekt behandelt werden?

Grammelhofer: Gibt es einen Betriebsrat in der Zeitarbeitsfirma und im Beschäftigerbetrieb, kann man sich grundsätzlich an beide Betriebsräte wenden. Überlassene Arbeitskräfte können sich aber auch an mich oder den in den Regionen zustängigen Sekretär der PRO-GE wenden. Auch wenn Interesse an der Gründung eines Betriebsrates in einer Zeitarbeitsfirma besteht, gibt die Gewerkschaft gerne die nötige Unterstützung

PRO-GE für Zeitarbeiter - Ziele für die Zukunft

Glück auf!: Die PRO-GE hat für ZeitarbeiterInnen schon viel erreicht. Was sind die Ziele für die Zukunft?

Grammelhofer: Wir wollen erreichen, dass die Arbeitsverhältnisse insbesondere zu den Zeitarbeitsfirmen länger andauern – Zeitarbeit muss stetiger werden. Die Arbeitgeberseite soll sich dazu nicht nur bekennen, sondern es auch umsetzen. Außerdem muss endlich Schluss sein mit den vielen einvernehmlichen Auflösungen, bei denen sehr viele Beschäftigte stark unter Druck gesetzt werden. 

Stehzeiten, das sind Zeiten zwischen zwei Arbeitseinsätzen, müssen tatsächlich bezahlt werden. Arbeitsverträge dürfen nicht aufgelöst werden, nur weil der letzte Arbeitseinsatz beendet wurde. Ein weiteres Ziel ist die bessere Nutzung des Weiterbildungsfonds, der im Kollektivvertrag der Arbeitskräfteüberlassung vereinbart ist. Diese Regelung bietet sowohl für die Arbeitgeber als auch für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einige Chancen. Einerseits können Stehzeiten durch Bildungsmaßnahmen überbrückt werden. Andererseits können sich
Zeitarbeitskräfte im aufrechten Dienstverhältnis weiter qualifizieren, um zukünftig bessere Chancen am Arbeitsmarkt zu haben

Die Website der Produktionsgewerkschaft für Arbeiter und Arbeiterinnen in der Arbeitskräfteüberlassung


Glück Auf! - Geborgte Arbeit - Arbeitnehmer Innen auf Zeit

Letzte Aktualisierung: 15. Mai 2010

Die einen sind strikt dagegen und sehen darin Ausbeutung, die anderen wollen und befürworten ein solch „flexibles“ Arbeitsmodell: Zur Zeitarbeit gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Eines ist aber so gut wie fix: Die Branche wird weiter wachsen und die Arbeitnehmer Innen brauchen eine starke Vertretung

Schwarze Schafe

Eine Handvoll schwarzer Schafe bringt damit eine ganze Branche in Verruf

Rund 60.000 bis 65.000 ZeitarbeiterInnen gibt es zurzeit in Österreich. Sie sind stark von der aktuellen Wirtschaftsentwicklung abhängig – bei Auftragsspitzen werden sie schnell angefordert, bei Flauten werden sie in die Zeitarbeitsfirma zurückgeschickt. Die ArbeitnehmerInnen haben zwar genau definierte Rechte, einige Zeitarbeitsfirmen versuchen diese jedoch immer wieder zu umgehen. Eine Handvoll schwarzer Schafe bringt damit eine ganze Branche in Verruf. Für die Beschäftigerbetriebe hingegen werden ZeitarbeiterInnen immer wichtiger, besonders in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. „Um zu vermeiden, dass Betriebe überwiegend ZeitarbeiterInnen anstellen ist eine Beschränkung in den einzelnen Betrieben auf maximal fünf Prozent der Belegschaft nötig“, fordert Rainer Wimmer, Bundesvorsitzender der PRO-GE

Industrie besonders betroffen

Laut einer Studie von L&R Sozialforschung wuchs die Branche seit 1997 kontinuierlich an, bis sie 2008 den Höchststand von rund 80.000 Beschäftigten erreichte. Mit der Krise schrumpfte auch der Bereich der Arbeitskräfteüberlassung. Innerhalb kürzester Zeit verloren Tausende ihren Job. In der Sparte Industrie waren bis 2008 die meisten ZeitarbeiterInnen beschäftigt. Umso dramatischer war der Beschäftigungsrückgang während der Wirtschaftskrise. Über ein Drittel der ZeitarbeiterInnen wurde nicht weiter beschäftigt, in der Metallindustrie war 2009 nicht einmal mehr die Hälfte der rund 7.000 ZeitarbeiterInnen werktätig. Demnach ist nicht verwunderlich, dass in der Industrie 90 Prozent der befragten Zeitarbeitskräfte, das Risiko arbeitslos zu werden als sehr hoch einschätzen

Unregelmäßige Beschäftigung

Zeitarbeit ist noch immer sehr kurzweilig und stark von saisonalen Einflüssen abhängig. Jedes vierte Quartal steigt die Arbeitslosigkeit rapide an und erreicht Spitzen von 20 Prozent. Bei den ArbeiterInnen ist die Dauer der durchgehenden Beschäftigung besonders kurz. Während etwas mehr als die Hälfte der Angestellten über zwölf Monate durchgehend beschäftigt war, sind das bei den ArbeiterInnen nur 22 Prozent. Kein Wunder also, wenn die Hälfte der ZeitarbeiterInnen ein normales Arbeitsverhältnis „sehr bevorzugen“ würde

Doch die Brückenfunktion ist sehr schwach: In acht Jahren konnten nur rund 20 Prozent in eine Standardbeschäftigung wechseln. Viele der Beschäftigten haben deshalb das Gefühl „einmal Randbelegschaft – immer Randbelegschaft“ und glauben, es sei nur sehr schwer möglich in die Stammbelegschaft eines Betriebes zu wechseln

Vertretung durch Betriebsrat

Die PRO-GE vertritt als Gewerkschaft die ZeitarbeiterInnen. In den Betrieben können sie sich sowohl an
den Betriebsrat in der Zeitarbeitsfirma als auch an jenen im Beschäftigerbetrieb wenden. Doch 35 Prozent der Befragten wissen nicht einmal, ob es in der Zeitarbeitsfirma einen Betriebsrat gibt. Immerhin wissen mehr Befragte von den Betriebsräten in den Beschäftigerbetrieben – hier werden auch deutlich mehr ZeitarbeiterInnen aktiv vertreten. Die Zufriedenheit mit der Vertretung durch Betriebsräte ist insgesamt relativ hoch, allerdings sind 14 Prozent damit gar nicht zufrieden. Viele Betriebsräte haben das Problem, von der eigenen Firma nicht oder nur unzureichend über die Anstellung von ZeitarbeiterInnen informiert zu werden. Die Einhaltung bzw. Ausweitung der Informationspflicht der Firma gegenüber dem Betriebsrat über die genaue Anzahl und Dauer der Überlassungen, kann hier Abhilfe schaffen. Nur wenn die BetriebsrätInnen im Beschäftigerbetrieb auch die nötigen Informationen, zum Beispiel über die Lohnhöhe der ZeitarbeiterInnen etc., haben, können sie den Beschäftigten auch helfen

Leider gibt es zu viele Pseudo Betriebsräte, auch in den Betrieben wo wir waren!

Benachteiligt bei Weiterbildung

Im Jahr 2008 haben 13 Prozent der ZeitarbeiterInnen an einer Weiterbildung teilgenommen, die zumindest teilweise in der Arbeitszeit stattfand und/oder zumindest teilweise durch die Zeitarbeitsfirma bezahlt wurde. Ein Vergleich dieses Ergebnisses mit dem Weiterbildungsverhalten der unselbstständig Beschäftigten deutet darauf hin, dass ZeitarbeiterInnen hier benachteiligt sind. Je geringer das Tätigkeitsniveau ist, das eine Person ausübt, desto geringer ist auch die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen. Umso bemerkenswerter ist das enorme Interesse an Weiterbildung. Knapp die Hälfte der Befragten äußerte ihr Interesse, etwa an Kursen im Metallbereich, im EDV- bzw. IT-Bereich oder an Fremdsprachenkursen. Leider ist unter den Befragten
der „Weiterbildungsfonds für ZeitarbeiterInnen“ weitgehend unbekannt

Handlungsbedarf

In vielen Punkten besteht noch Handlungsbedarf. Die PRO-GE hat mit dem europaweit ersten Kollektivvertrag für die Arbeitskräfteüberlassung seit 2002 eine Vorreiterrolle eingenommen. Doch es gibt noch viel zu tun. Um die ZeitarbeiterInnen besser über ihre Rechte, Pflichten und Möglichkeiten (z. B. Weiterbildungsfonds) zu informieren, hat die PRO-GE eine Webseite ins Leben gerufen, die als Plattform für alle Anliegen von ZeitarbeiterInnen dienen soll. Unter www.leiharbeiter.at sind sämtliche Informationen rund um das Thema Zeitarbeit gesammelt abrufbar..

Vorsicht vor einvernehmlichen Auflösungen!

Einvernehmliche Auflösungen von Dienstverhältnissen sind in der Zeitarbeitsbranche gang und gäbe. Damit werden die Kündigungsbestimmungen, die sich aus dem geltenden Kollektivvertrag ergeben würden, einfach umgangen. 2008 wurden laut Daten von L&R Sozialforschung 53 Prozent aller Dienstverhältnisse einvernehmlich aufgelöst. Zieht man die Personen ab, die selbst eine einvernehmliche Auflösung wollten, bleibt ein Anteil von 39 Prozent. Um die Unterschrift zu bekommen, tendieren manche Zeitarbeitsfirmen dazu, die ArbeitnehmerInnen unter Druck zu setzen. Auch im Krankenstand wird ZeitarbeiterInnen, vor allem jenen mit geringem Qualifikations- bzw. Tätigkeitsniveau, immer wieder eine einvernehmliche Auflösung „angeboten“. Einvernehmliche Auflösungen sollten nur nach genauer Überlegung und schon gar nicht im Vorhinein unterzeichnet werden, denn damit verzichtet man freiwillig auf viel Geld!

Branchenbüro - Arbeitskräfteüberlassung - Thomas Grammelhofer

Alber-NET: Neues für Leiharbeiter